Wälder im Wandel: Unterwegs mit dem Team des Naturschutzgroßprojekts Wispertaunus in Heidenrod-Geroldstein
Wie sieht der Wald der Zukunft aus, wenn es immer heißer und trockener wird? Dieser Frage sind wir bei unserer öffentlichen Exkursion am 19. September 2026 in Heidenrod-Geroldstein nachgegangen. Rund 30 interessierte Bürgerinnen und Bürger waren dabei und haben bei bestem Spätsommerwetter gemeinsam einen Blick auf die Wälder im Wispertaunus geworfen.
Los ging es am Dorfgemeinschaftshaus in Geroldstein. Projektleiterin Britta Dechent gab zum Start einen kurzen Überblick über das Naturschutzgroßprojekt Wispertaunus: Sie erklärte, woran aktuell gearbeitet wird, wie die Planungsphase läuft und welche Schritte auf dem Weg zu einer möglichen Umsetzungsphase als Nächstes anstehen. Auch die Projektziele und Rahmenbedingungen waren Thema.
Anschließend ging es hinaus in den Wald. Dr. Markus Dietz, Leiter des Instituts für Tierökologie und Naturbildung, führte die Gruppe durch das Gebiet, das für einen künftigen Naturwald infrage kommt. Sein Institut ist mit der Erstellung des Pflege- und Entwicklungsplans (PEPL) für das Projekt beauftragt. Der PEPL untersucht und beschreibt die besonderen natürlichen Gegebenheiten des Gebiets und bildet eine wichtige fachliche Grundlage für die weitere Planung.
Ein Wald, viele Gesichter
Auf der rund zweieinhalbstündigen Strecke kamen ganz unterschiedliche Waldbilder in den Blick. Anhand konkreter Beispiele lernten die Teilnehmenden besondere Lebensräume und charakteristische Arten des Wispertaunus kennen und erfuhren, was die Wälder der Region ökologisch so besonders macht. Dabei wurde schnell klar: Wald ist nicht gleich Wald. Wie ein Wald aufgebaut ist, kann sehr verschieden sein. Und je vielfältiger Struktur und Arten, desto widerstandsfähiger ist er.
Wald im Wispertaunus
© Britta Dechent / ZGF
Hitze und Trockenheit hinterlassen Spuren
Natürlich ging es auch um den Sommer, der hinter uns liegt. Seine Folgen waren vielerorts schon zu sehen: Das Laub verfärbte sich früh, manche Bäume warfen ihre Blätter vorzeitig ab und die anhaltende Trockenheit setzte vielen Bäumen sichtbar zu.
Und trotzdem gibt es Grund zur Zuversicht. Im Wispertaunus gibt es eine große genetische und biologische Vielfalt. Baumarten wie Elsbeere und Traubeneiche sind schon heute Teil der Wälder und kommen mit den künftig erwarteten klimatischen Bedingungen voraussichtlich besser zurecht als die früher vielerorts gepflanzten Fichten- und Kiefern-Monokulturen. Ein wichtiger Grund dafür ist ihr tiefreichendes Wurzelwerk: Die Elsbeere bildet eine Pfahlwurzel, die zwei bis drei Meter tief reicht, die Traubeneiche ein Wurzelsystem, das tief in Klüfte und Spalten eindringt. So erreichen beide auch in langen Trockenphasen noch Wasser aus tieferen Bodenschichten. Der Wald der Zukunft wird deshalb vielleicht anders aussehen als der heutige. Aber auch auf den künftigen Naturwaldflächen des Naturschutzgroßprojektes wird weiterhin Wald entstehen und sich entwickeln. Wie, das soll dort langfristig beobachtet und wissenschaftlich begleitet werden.
Raum für Fragen und Gespräche
Neben den fachlichen Themen blieb viel Zeit für Fragen. Besonders interessierte die Teilnehmenden, was eine mögliche Umsetzung des Projekts konkret für die Gemeinde Heidenrod und die Menschen vor Ort bedeuten würde. Das Projektteam erläuterte, dass sich außerhalb der vorgesehenen Naturwaldflächen nichts ändern würde: Der Wald kann dort weiterhin bewirtschaftet werden, das bestehende Wander- und Wegenetz soll erhalten bleiben. Für die Jagd entstehen durch das Naturschutzgroßprojekt keine Einschränkungen und auch die lokale Versorgung mit Brennholz bleibt gewährleistet.
Die große Resonanz und die vielen Fragen haben gezeigt, wie sehr der Wald und die Entwicklung des Naturschutzgroßprojekts die Menschen vor Ort bewegen. Die Exkursion bot die Gelegenheit, die Besonderheiten des Wispertaunus unmittelbar kennenzulernen und die aktuellen Planungen des Naturschutzgroßprojektes mit dem Projektteam zu diskutieren. Für alle Beteiligten war es ein gelungener Austausch zwischen Projektteam, Fachleuten und interessierten Bürgerinnen und Bürgern.
Die Exkursion mit Dr. Markus Dietz und dem Projektteam des NGP Wispertaunus ermöglichte es den Teilnehmenden, ihre Fragen zum Projekt zu klären.
© Britta Dechent/ZGF
Ein herzliches Dankeschön an alle, die dabei waren und mit uns den Wald im Wandel erkundet haben!
Übrigens: Über weitere Veranstaltungen und die Entwicklung des Naturschutzgroßprojekts informieren wir auch weiterhin hier auf der Website.

