Hinter den Kulissen des Naturschutzgroßprojekts Wispertaunus
Wer an Naturschutz denkt, hat oft Bilder von großen Wäldern, seltenen Tieren oder spannenden Exkursionen durchs Dickicht vor Augen. Doch bevor Naturwaldflächen ausgewiesen oder Projekte umgesetzt werden können, ist erst einmal viel Planung und Abstimmung mit allen Beteiligten nötig.
So ist es auch im Naturschutzgroßprojekt Wispertaunus: Zahlreiche Prozesse laufen gleichzeitig – im Gelände, am Schreibtisch und im Austausch mit vielen unterschiedlichen Akteuren.
Aktuelle Erkenntnisse gemeinsam diskutieren
Zentrales Element des Projekts und Grundlage für alle Aktivitäten ist der regelmäßige Austausch mit den Projektpartnern. In der Projektbegleitenden Arbeitsgruppe und den verschiedenen Arbeitskreisen haben wir in den vergangenen Wochen die aktuellen Arbeitsstände vorgestellt und gemeinsam diskutiert.
Dabei ging es unter anderem um die Ergebnisse der Kartierungen (wir berichteten), den aktuellen Stand potentiellen Flächen sowie die nächsten Schritte zur Erstellung des Pflege- und Entwicklungsplans (PEPL). Der gemeinsame Austausch sorgt dafür, dass fachliche Erkenntnisse frühzeitig zusammengeführt und gemeinsam bewertet werden können. So stellen wir sicher, dass die Entscheidungen über weitere Aktivitäten stets auf aktuellen Daten basieren.
Die Kartierungen als Grundlage
Derzeit werten wir außerdem noch die umfangreichen Kartierungen des vergangenen Jahres aus. Die Ergebnisse zu seltenen Käfern, Pilzen, Fledermäusen und vielen weiteren Artengruppen zeigen eindrucksvoll, welche biologische Vielfalt bereits heute im Wispertaunus zu finden ist. Und sie bilden eine wichtige Grundlage für den Pflege- und Entwicklungsplan, dem fachlichen Herzstück des Naturschutzgroßprojekts. Auf Basis der erhobenen Daten können wir die ökologisch besonders wertvollen Flächenidentifizieren und fundierte Entscheidungen für eine mögliche Naturwaldentwicklung in der Zukunft treffen. Der Pflege- und Entwicklungsplan entsteht in mehreren aufeinander aufbauenden Arbeitsschritten. Dazu gehören die Auswertung der Kartierungsergebnisse, die Zusammenführung weiterer fachlicher Grundlagen sowie die Abstimmung mit den beteiligten Kommunen. Die Ergebnisse fließen schrittweise in die weitere Bearbeitung des Plans ein.
Gemeinsam den Wald entdecken
Mindestens so wichtig wie der Austausch mit den Projektpartnern ist der Austausch mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern. Zum Beispiel begleiteten wir am 16.06.2026 gemeinsam mit dem Naturpark Rhein-Taunus eine Exkursion in das Projektgebiet. Im Mittelpunkt standen bei unserem Teil der Exkursion die Ziele des Projekts und die Frage, warum ausgewählte Waldflächen langfristig ihrer natürlichen Entwicklung überlassen werden sollten. Gemeinsam diskutierten wir Fragen wie: Warum brauchen wir Naturwälder? Welche Rolle spielt Prozessschutz? Und wie lassen sich Naturschutz, Erholung und Forstwirtschaft miteinander vereinbaren? Die unterschiedlichen Perspektiven der Teilnehmenden führten zu spannenden Gesprächen und einem intensiven Austausch mitten im Wald.
Vom Hörsaal in die Praxis
Auch Studierende lernen das Naturschutzgroßprojekt Wispertaunus derzeit kennen. Im Rahmen einer Lehrveranstaltung an der Hochschule Geisenheim durften wir den Studierenden des Masterstudiengangs Landschaftsplanung/-Architektur das Projekt vorstellen und die Ziele sowie Herausforderungen großflächiger Naturschutzprojekte erläutern.
Ende August wird das Gelernte bei einer gemeinsamen Exkursion direkt im Projektgebiet vertieft. Vor Ort können die Studierenden erleben, wie Theorie und Praxis im Naturschutz zusammenkommen und welche Fragestellungen bei der Entwicklung zukünftiger Naturwälder eine Rolle spielen.
Öffentliche Exkursionen im Sommer
Übrigens gibt es für alle Interessierten in der Umgebung in den kommenden Monaten wieder die Gelegenheit, das Projekt näher kennenzulernen. Im August und September finden zwei öffentliche Exkursionen im Projektgebiet statt. Am 28. August werden wir in der Dämmerung zu einer Fledermausbeobachtung aufbrechen, bei der wir die nächtlichen Jäger mit sogenannten „Batdetektoren“ hörbar machen werden.
Bei unserer öffentlichen Exkursion ins Projektgebiet am 19. September erkunden wir gemeinsam ausgewählte Waldflächen, stellen das Naturschutzgroßprojekt vor und zeigen, welche Besonderheiten die Wälder des Wispertaunusauszeichnen. Dabei bleibt selbstverständlich genügend Zeit für Fragen und den gemeinsamen Austausch. Wir laden ausdrücklich alle Interessierten Bürgerinnen und Bürger ein, an einer oder beiden Exkursionen teilzunehmen und mehr über unsere Arbeit im Wispertaunus zu erfahren (weitere Infos finden Sie zeitnah auf dieser Website).
Naturschutz ist Teamarbeit
Ob bei Exkursionen, Fachgesprächen, Kartierungen oder der Zusammenarbeit mit Kommunen und Projektpartnern – das Naturschutzgroßprojekt Wispertaunus lebt vom Austausch vieler Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven und Fachkenntnissen.
Auch wenn manches im Hintergrund geschieht, trägt jeder dieser Schritte dazu bei, die Wälder des Wispertaunus langfristig zu erhalten und ihre einzigartige biologische Vielfalt zu sichern.


